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Romanistik

Weibliche Stimmen im postkolonialen Maghreb

04.02.2026

Exkursion des Proseminars Literaturwissenschaft in das Museum Fünf Kontinente

Einblicke in die kulturelle Vielfalt Nordafrikas

Wie werden marginalisierte Frauenstimmen in einer sowohl hegemonialen als auch patriarchalen Geschichtsschreibung sichtbar gemacht? Inwiefern dienen Kunst und Literatur der weiblichen Selbstermächtigung? Wie werden hybride Identitäten und Kulturen im postkolonialen Maghreb ausgehandelt? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich in diesem Wintersemester das französische Proseminar „Formen weiblicher Selbstermächtigung in der franko-marokkanischen Frauenliteratur des 21. Jahrhunderts“ unter Leitung von Nicole Winter.

Der Besuch des Museums Fünf Kontinente in München am 11.01.2026 ermöglichte es, die im Kurs erarbeiteten theoretischen Ansätze anhand ausgewählter Exponate zu veranschaulichen und um neue Perspektiven zu erweitern.

Zehn Studierende, fünf Kontinente, ein Tag in München

Bereits am frühen Sonntagmorgen ging es mit dem Zug in die bayerische Landeshauptstadt. Nach einem gemeinsamen Mittagessen und einem Spaziergang durch die sonnig-verschneite Münchner Innenstadt erreichte die Gruppe schließlich das Museum.

Ein besonderes Highlight für die Studierenden und zugleich das Eröffnungswerk der Ausstellung zu Nordafrika und Südwestasien war Fumée d’Ambre Gris (2008) der marokkanischen Künstlerin Lalla Essaydi. Im Rahmen ihrer fotografischen Arbeit setzt sie sich – wie auch zahlreiche frankophone Schriftstellerinnen – kritisch mit der westlichen, exotisierenden Darstellung arabischer Frauen auseinander. Essaydi greift bewusst Motive der orientalistischen Malerei des 19. Jahrhunderts auf (etwa von Eugène Delacroix oder John Singer Sargent) und inszeniert diese neu, indem sie Körper, Kleidung und Räume mit arabischer Kalligrafie aus Henna überzieht. Durch diese Aneignung einer historisch männlich dominierten Schrifttradition verschiebt die Künstlerin etablierte Macht- und Blickverhältnisse: Die dargestellten Frauen erscheinen nicht länger als passive Objekte eines eurozentrischen male gaze, sondern als aktive Trägerinnen von Schrift, Geschichte und Stimme. Das Werk ist Teil der Serie Les femmes du Maroc, die bereits in der ersten Seminarsitzung als zentrales Beispiel für weibliche Selbstermächtigung in der zeitgenössischen Kunst diskutiert worden war.

Darüber hinaus blieb ausreichend Zeit, auch andere Kontinente und Sammlungen des Museums eigenständig zu erkunden. Besonders die Ausstellungsbereiche zu Ozeanien und Subsahara-Afrika eröffneten weitere spannende Einblicke in postkoloniale frankophone Kontexte, kulturelle Ausdrucksformen und globale Verflechtungen.

Nachklang

Der Besuch des Museums Fünf Kontinente zeigte eindrücklich, wie fruchtbar das Zusammenspiel von Literaturwissenschaft, Kunst und Kulturgeschichte sein kann und bot nicht nur eine Ergänzung zum Proseminar, sondern auch Raum für individuelle Entdeckungen und weiterführende Reflexionen. Die Exkursion erwies sich insgesamt als äußerst kurzweilig und bereichernd, was nicht zuletzt auf die angenehme Gruppendynamik sowie auf das Engagement und Interesse der Studierenden zurückzuführen ist.

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