Exkursion nach Madrid
09.06.2026„Las huellas del español: desde El Cid hasta hoy“ – auf Spurensuche in der spanischen Sprachgeschichte
Fünf Studierende der Romanistik spürten im April in Madrid der Geschichte des Spanischen von ihren Anfängen bis heute nach. Ausgehend von zwei Kursen der Romanistik (Sprachwissenschaftlicher Lektürekurs Altspanisch und Examenskurs Landeskundlicher Wortschatz) organisierten die Teilnehmer*innen gemeinsam mit ihren Dozentinnen Ester Belmonte und Dr. Stefanie Goldschmitt eine Exkursion in der spanischen Hauptstadt, die sich der Sprache in ihrer Entwicklung vom Altspanischen bis zu ihrer Normierung sowie aktuellen Entwicklungen widmen sollte.
Ihren Auftakt hatte die Exkursion am 7. April im Madrider Stadtteil Entrevías als Ausgangspunkt für die Aktivitäten der darauffolgenden Tage. Die Tagesberichte der Studierenden sollen das vielseitige sprachpraktische, linguistische und literatur- und kulturgeschichtliche Programm des Aufenthalts widerspiegeln:
Tag 1 (Alexander Nicklaus und Manuel Tausch)
Nach einem typisch spanischen ausgiebigen Frühstück ging es ins Stadtzentrum. Unsere Dozentin Ester Belmonte – selbst Madrilenin – gab der Gruppe zunächst einen Überblick über einige wichtige Sehenswürdigkeiten der Stadt. So bekamen wir einen ersten Eindruck von der spanischen Hauptstadt: dem „Bär am Erdbeerbaum“ (El Oso y el Madroño) als Wahrzeichen von Madrid, dem Rathaus und dem Kilómetro cero, dem Ursprung des spanischen Straßennetzes, sowie dem Abgeordnetenhaus (Congreso de los Diputados) und dem spanischen Bildungsministerium. Highlight des ersten Tages war das Instituto Cervantes, das, vergleichbar zum deutschen Goethe-Institut, die spanische Sprache und Kultur weltweit vertritt und bewirbt. In Madrid befindet sich sein Hauptsitz in einem ehemaligen Bankgebäude mit großen Sitzungssälen für Veranstaltungen und Konferenzen. In einem symbolisch gesicherten Tresor werden zudem wichtige Beiträge zum modernen Spanisch, sei es schriftlicher, musikalischer, oder materieller Form, als Erinnerungen aufbewahrt.
Nach diesem eindrucksvollen und lehrreichen Besuch stellten wir im Rahmen von Kurzreferaten das berühmte spanische Literatenviertel vor, den Barrio de las Letras. Über die Jahrhunderte hinweg haben dort die wichtigsten hispanophonen Künstlerinnen und Künstler der Literatur- und Theaterszene des Goldenen Zeitalters inmitten der Hauptstadt gelebt, was die unzähligen Statuen, Inschriften und Zitate in diesem Teil der Stadt belegen.
El gran final des Tages war der Besuch der klassischen comedia Calderón de la Barcas „El escondido y la tapada“ aus dem späten Siglo de Oro, in das wir durch ein weiteres Kurzreferat in die Tradition der corral-Bühnen eingeführt wurden. Die grandiose Aufführung im Teatro de la Comedia aus dem 19. Jahrhundert bot eine unvergessliche Vorstellung, bei der unsere Spanischkenntnisse gefordert waren. Abgerundet wurde das kulturelle Programm mit einer Runde tapas in einer typischen taberna im Literatenviertel.
Tag 2 (Anna-Lena Spänkuch)
Der zweite Tag begann mit einem Stopp auf der Plaza de Colón, über der mit 14x21 Meter an einem 50 Meter hohen Fahnenmast die größte spanische Flagge weltweit zu sehen ist. Anschließend stand eine Führung durch die Biblioteca Nacional auf dem Programm, die im Jahr 1712 erstmalig ihre Tore für die breite Öffentlichkeit öffnete. Seitdem verfolgt sie das Ziel, Schriftstücke aller Art analog, aber auch digital zu sammeln, zu katalogisieren und zu bewahren. Unsere Exkursionsgruppe erhielt im Rahmen einer Führung rund um das Gebäude Einblicke in die Historie der Nationalbibliothek sowie in die Ausstellung mit dem klangvollen Namen Infierno (Unterwelt), welche sich nicht nur mit literarischen Werken befasst, die zu irgendeinem Zeitpunkt in irgendeinem Land eine Zensur erfahren haben, sondern zudem mit der Bedeutung und Entwicklung von Literatur im Verlauf der Zeit. Auch der Einfluss der spanischen Sprache innerhalb des Weltgefüges und vor allem in Lateinamerika kam zur Sprache und wurde im Anschluss an die Führung von den Studierenden und den Dozentinnen kritisch reflektiert.
Nach einer Stärkung mit typischem bocadillo ging es weiter in Richtung Museo Nacional del Prado. Als eines der weltweit führenden Kunstmuseen beherbergt es eine bedeutende Sammlung spanischer und europäischer Kunst vom frühen 12. bis zum 20. Jahrhundert, darunter die umfangreiche Sammlung spanischer Malerei von Künstlern wie Velázquez, Goya und El Greco. Gemeinsam bestaunten die Studierenden und die Dozentinnen unter anderem Velázquez’ Werk Las Meninas, Goyas Pinturas Negras und El 3 de mayo en Madrid. Bei der anschließenden Pause im Retiro-Park genossen wir die Sonnenstrahlen, bevor der Tag mit einer Führung durch die Residencia de Estudiantes, die zum Zweck des wissenschaftlichen Austausches zwischen den Ländern gegründet wurde und berühmte Persönlichkeiten wie García Lorca, Dalí Luis Buñuel, Menéndez Pidal, María Goyri oder Unamuno beherbergte, sowie Einstein oder Marie Curie als Gäste empfing, ausklang. Die Spuren des Spanischen zeigten sich an diesem Tag für die Exkursionsgruppe gerade in der Literatur- und Kunstgeschichte.
Tag 3 (Paulina Bank und Lea Müller)
Am dritten Tag erhielten wir die exklusive Möglichkeit, an einer privaten Führung durch die Real Academia Española (RAE) teilzunehmen, eine Institution, die allen Spanischstudierenden ein Begriff ist. Sie hat sich unter dem Motto „Limpia, fija y da esplendor“ das Ziel gesetzt, die spanische Sprache reinzuhalten, zu normieren und ihr Glanz zu verleihen. Das eindrucksvolle Gebäude bietet Räume zur Versammlung der Akademikerinnen und Akademiker der RAE, es verfügt über eine eigene Bibliothek sowie einen Veranstaltungssaal im Stil eines italienischen Theaters. Während der Führung wurde zum einen die Bedeutung als ein kulturelles Zentrum deutlich, das Einheit, Verständlichkeit und historische Kontinuität der spanischen Sprache sichern möchte. Zum anderen erkannten wir auch die diversen Spuren des Wandels des Spanischen in den Dokumenten und Traditionen, die in der Königlichen Akademie bewahrt werden.
Nach einem Abstecher auf die Plaza Mayor, einem früheren Marktplatz, der heute zu den Wahrzeichen Madrids zählt, und zum Mercado San Miguel, einem typischen spanischen Markt mit frischen Lebensmitteln, ging es am Abend zum barocken Palacio Real – der Residenz, aber nicht dem Wohnsitz der spanischen Könige. Ein Kurzreferat lieferte uns dort die wichtigsten Informationen zu dem Palast, der 3418 Räume umfasst und damit aktuell das größte königliche Schloss in Europa ist. Im Anschluss konnten wir dort einen farbenfrohen Sonnenuntergang über Madrid beobachten, bevor wir den letzten Abend gemeinsam mit Tapas wie patatas bravas, chorizo, aceitunas, tortilla de patata, ensaladilla rusa und croquetas ausklingen ließen.
Fazit (Ester Belmonte und Stefanie Goldschmitt)
Losgelöst vom Kursprogramm der Sprachwissenschaft und Sprachpraxis bot die – von den Studierenden selbst vorgeschlagene – Exkursion eine einmalige Möglichkeit, die Erkenntnisse sowohl zum Altspanischen als auch zur Normierung des Spanischen in lebendiger und inspirierender Weise zusammenzuführen. Es zeigte sich nachdrücklich, wie gewinnbringend eine Spurensuche vor Ort für Studierende und Lehrende sein kann, um Raum für neue Entdeckungen, zahlreiche Ergänzungen, aber auch kritische Reflexionen zu schaffen. Das Gelingen der Exkursion wurde maßgeblich von drei Faktoren beeinflusst:
- Die Studierenden zeigten bereits in der Vorbereitung, aber auch in Madrid, sowie in der Nachbereitung großes Engagement in der Organisation und Zusammenstellung einzelner Themen. Vor Ort stellten sie zahlreiche reflektierte Fragen bei den Führungen, die im Anschluss noch vertieft diskutiert wurden.
- Ihre Vorträge hielten sie auf Spanisch und auch die Kommunikation fand nahezu durchgängig auf Spanisch statt, was zu beachtlicher Wortschatzerweiterung und bereichernden Erkenntnissen geführt hat
- Sie stellten zudem durchgehend große Offenheit, Interesse und Kooperationsbereitschaft bei allen Aktivitäten, aber auch bei Komplikationen etwa im Öffentlichen Nahverkehr, unter Beweis.
Ein altspanischer Satz der Studierenden spiegelt dies in besonderer Form wider:
„grant era el nuestro gozo de viaxe a las tierras de Madriz“
‚groß war unsere Freude an der Reise in die Lande von Madrid‘
