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    Anglistik und Amerikanistik

    Irischer Botschafter zu Besuch

    23.06.2020

    In der Universitätsbibliothek bekam der irische Botschafter Dr. Nicholas O'Brien historisches irisches Kulturgut präsentiert. Außerdem informierte er sich an der Uni über die neue Forschungskooperation „Irish Studies Würzburg“ (Bericht aus einBlick vom 23.06.2020).

    Professorin Maria Eisenmann mit Botschafter Nicholas O’Brien (Mitte) und Matthias Fleckenstein, Vorsitzender der Deutsch-Irischen Gesellschaft.
    Professorin Maria Eisenmann mit Botschafter Nicholas O’Brien (Mitte) und Matthias Fleckenstein, Vorsitzender der Deutsch-Irischen Gesellschaft. (Bild: privat)

    Einige herausragende Zeugnisse der irischen Geschichte gehören zum Besitz der Universitätsbibliothek Würzburg. Kein Wunder also, dass Nicholas O’Brien, seit August 2019 Botschafter der Republik Irland in Berlin, bei einem erneuten Aufenthalt in Würzburg am 17. Juni 2020 auch die Universitätsbibliothek besuchte. Mit dabei war seine Partnerin Mary McCarthy.

    Rund 1500 Handschriften aus dem Mittelalter und noch einmal 800 aus der Neuzeit befinden sich in der Handschriftenabteilung im dritten Stock der Universitätsbibliothek. Ein absolutes Prachtstück darunter ist das Kiliansevangeliar, eine Pergamenthandschrift aus dem 6. Jahrhundert. Ihr Vorderdeckel ist mit filigranen Schnitzereien aus Elfenbein verziert, in ihrem Inneren sind auf rund 300 Seiten die vier Evangelien des Neuen Testaments niedergeschrieben.

    Die Legende zum Kiliansevangeliar

    Das Kiliansevangeliar soll dem irischen Missionar Kilian gehört haben. Dieser brachte der Legende nach im Jahr 686 mit seinen Begleitern Kolonat und Totnan das Christentum nach Würzburg. Hier aber stießen die Mönche offenbar auf wenig Dankbarkeit, denn wenige Jahre später wurden sie ermordet. Ihre Leichen verscharrte man angeblich dort, wo heute das Neumünster steht. Als Würzburgs Bischof Burkhard im Jahr 752 Kilians Gebeine bergen ließ, soll im Grab das Kiliansevangeliar gefunden worden sein.

    Diese Geschichte dürfte in der Tat nur eine Legende sein. Wahrscheinlicher ist es, dass das Kiliansevangeliar aus Nordfrankreich stammt, wie verschiedene Randnotizen auf seinen Seiten nahelegen. Wie es nach Würzburg kam, ist unbekannt. Als die Handschrift hier im elften Jahrhundert ihren Prachteinband aus Elfenbein erhielt, war sie am Bischofssitz Würzburg längst in den Rang einer Reliquie erhoben worden. Dementsprechend zeigt der Einband das Martyrium der drei Frankenapostel.

    Irische Handschriften des 8. Jahrhunderts

    Der irische Botschafter und seine Partnerin waren beeindruckt von dem prächtigen Buch. Präsentiert wurde es von Dr. Hans-Günter Schmidt, dem Leiter der Universitätsbibliothek. Gemeinsam mit der Handschriftenspezialistin Kerstin Kornhoff und dem Leiter der Abteilung Handschriften und Alte Drucke, Christian Malzer, zeigte er den Gästen weitere Handschriften, die aus Irland stammen und ins 8. Jahrhundert datieren.

    Da sind zum einen die Paulusbriefe. Deren lateinische Texte enthalten zahlreiche handschriftliche Anmerkungen in altirischer Sprache – das leistete einen großen Beitrag zur wissenschaftlichen Rekonstruktion dieser Sprache. Zum anderen betrachteten die Besucher Teile des Matthäus-Evangeliums. In dieses Werk sind 33 Notiz-Zettelchen mit irischen Namen und Wörtern eingebunden. Diese Handschrift war ebenfalls relevant für die Erforschung der irischen Geschichte.

    Irish Studies Würzburg

    Der irische Botschafter stattete auch der neu gegründeten Forschungskooperation Irish Studies Würzburg einen Besuch ab. Darin sind verschiedene Bereiche der Julius-Maximilians-Universität (JMU) vereint, die sich mit irischer Literatur, Sprache, Geschichte und Kultur befassen. Die Initiative geht zurück auf Privatdozentin Dr. Ina Bergmann, Forscherin und Dozentin am Lehrstuhl für Amerikanistik, und Professorin Dr. Maria Eisenmann, Leiterin des Lehrstuhls für Fachdidaktik – Moderne Fremdsprachen mit Schwerpunkt Didaktik der englischen Sprache und Literatur.

    Die Irish Studies Würzburg sind auch mit externen Partnern vernetzt, unter anderem mit der Deutsch-Irischen Gesellschaft e.V. Würzburg, mit Lehrkräften an Gymnasien und mit der Irischen Botschaft in Berlin. Bei einem Treffen mit Maria Eisenmann begrüßte Botschafter O’Brien diese Kooperation. Er besuchte die Professorin zusammen mit Matthias Fleckenstein, dem Vorsitzenden der Deutsch-Irischen Gesellschaft.

    Für das Frühjahr 2021 planen die Verantwortlichen der Irish Studies Würzburg ein feierliches Kick-Off-Event. Für dessen Gestaltung lieferten O’Brien und Fleckenstein wertvolle Anregungen: 2021 wird der 150. Geburtstag des irischen Dramatikers John Millington Synge gefeiert. Ihn könne man beim Kick-Off-Event würdigen, da er im Jahr 1894 sechs Monate lang in Würzburg war und hier auch an der JMU studierte.

    Website Irish Studies Würzburg

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